Ein Projekt von Christiane Huber in Kollaboration mit dem Landvolktheater Halsbach e.V.

Konzept

Ein Dorf philosophiert“ ist ein partizipatives Projekt, in dem sich die drei benachbarten Dörfer Asten, Dorfen und Halsbach mit ihrer Vergangenheit beschäftigen.
Die gemeinsame Auseinandersetzung mit dem, was war, soll den Blick für das gesellschaftliche Miteinander in Gegenwart und Zukunft öffnen.

Zunächst werden Ereignisse aus der Zeit des Nationalsozialismus reflektiert, insbesondere zu der Beschäftigung von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern aus Polen auf den Höfen und in den nahegelegenen Fabriken in der Region. Wie haben diese Menschen die Zeit auf den Dörfern erlebt, und was erinnern Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und deren Nachkommen vor Ort? Wo kam es zu Begegnungen? Was bedeutet Gewalt in dem Zusammenhang? Und wie beeinflussen die Erfahrungen das Leben heute im Dorf?

In einer mehrmonatigen Vorbereitungsphase entsteht ein Oral-History Archiv, es werden im Austausch mit ortsansässigen Vereinen und Interessenten Bilder und Dokumente gesammelt. Das Projekt ist prozessorientiert angelegt. Die Recherche mündet in einer einwöchigen Dorfakademie, in der die gesammelten Geschichten und Zeugnisse in Aktivitäten übersetzt werden: so wird es beispielsweise Wanderungen zu Originalschauplätzen geben, Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie verschiedene andere Aktionen, bei denen Geschichte aktiv erlebbar wird.

Den Abschluss des Projekts bildet eine sonntägliche Andacht mit Frühschoppen und Ergebnispräsentation in Halsbach/Landkreis Altötting.

Kooperation

Die Vorbereitungen, die Recherche und die Interviews mit Zeitzeugen sind bei dem Projekt ebenso wichtig, wie die Projektwoche selbst. Ein Dorf Philosophiert funktioniert in jeder Phase nur durch die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Einzelpersonen, Gruppen und Vereinen.

Berichte

Diese Fremdarbeiter waren zum Teil aus Polen, zum Teil aus der Ukraine .. Die beiden Ukrainer waren nicht so viel älter, vielleicht 15 oder 16 Jahre alt. Haben nach spätestens einem Jahr gesprochen wie wir, also bayerisch, und die haben auch mit uns Unternehmungen gemacht, z.B. waren im Gasthaus in Asten Kinder von Ausgebombten aus München unter gebracht. Und die wollten mit uns sogenannte Geländespiele machen, wie auch wir die noch bei der Hitlerjugend gemacht haben. Als Kampfmittel wurden Tannenzapfen vereinbart Da warn wir eigentlich ziemlich gut, weil wir die zwei Ukrainer dabei gehabt haben. Die waren erstens stärker und robuster und.. wahrscheinlich hatten die schon so ähnliche Übungen gemacht. Das hat unsre Selbstbewusstsein gestärkt, weil wir am Anfang die Münchner Kinder bis nach Asten rein verfolgt haben (lacht). Aber das war eigentlich eine .. heute würde man sagen… Völkerverständigung.
(Walter Jetz)
Franzosen sind anders behandelt worden.. als wie die Leute vom Osten.. wesentlich anders. am Schlimmsten sind die Russen behandelt worden..das waren die echten Zwangsarbeiter. Die haben das Werk alle Tag bei Fliegeralarm vernebelt. Wenn starker Wind war, dann hat es den Nebel wohl schnell verzogen. Wenn so ein Nordwind war.. oder Nordostwind.. dann ist er zu uns gekommen. Das war lauter Gift. Und das haben die Leute (Zwangsarbeiter) machen müssen. Wir wussten schon am Nebel.. es wird gleich Alarm sein. Sicher war das nicht gesund. Man weiss es nicht.. aber auf alle Fälle: die Heidelbeeren, die sind damals ausgestorben.
(Josef Schmidhammer)
Wir haben die erste Polin gehabt, wie der Krieg angegangen ist `39 ist der Krieg angegangen. und da ist sie gleich rüber gekommen, sie ist von Lodz. Mein Vater hat sie bei der Bahn geholt. Kein Wort deutsch. Was machen wir. Da kann man nichts machen, als in eine Buchhandlung zu gehen und ein Buch zu holen: Polnisch - Deutsch. Ich bin mit dem Löffel raus gegangen und habe sie hereingeführt zum Essen. Ich habe Polnisch gelernt und sie hat Bayerisch gelernt. ich kann noch ein Lied.. ich kann nur nicht mehr so gut singen.. (fängt an auf polnisch das Lied „Im schönsten Wiesengrunde zu singen)
(Erna Maier, Trinkberg)
Das ist also der Zeitungsausschnitt, wo ich das erste Mal als Ortsheimatpfleger
über die ganze Sache mit der sogenannten Ausländerkinderpflegestätte geschrieben habe, bis dahin war das vergessen, verdrängt.. wer was gewusst hat, hat nicht darüber geredet. Eine schwierige Situation. Bin 1943 geboren und habe bewusst gar nichts erlebt. Junge Leute konnen sich nicht vorstellen, was damals passiert ist. Drum zähle ich den Max Mannheimer zu meinen Freunden:er hat gesagt: ihr Jungen könnt nichts dafür was damals passiert ist, aber ihr tragt´s die Verantwortung für das was heute passiert. Das ist eure Sache, da müsst ihr aufpassen. Was mich mit ihm noch verbunden hat - ich habe mit ihm da einen richtigen Schriftverkehr geführt- er ist am 1.Februer 1943 nach Ausschwitz gekommen und an dem Tag bin ich geboren.
(Rudolf Zeiler, Burgkirchen)

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